Ist Kaffee gut fürs Herz?

Viele halten Kaffee bis heute für ein ungesundes Getränk, das vor allem schlecht fürs Herz sei. Schließlich macht Kaffee doch wach und putscht, das könne doch nicht gut fürs Herz sein. Doch die wissenschaftliche Forschung zeigt hier ein ganz anderes Ergebnis.

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Kaffeetasse mit Herzsymbol
(c) Michael Daniels | unsplash
Ernährungsfakten wissenschaftlich mit Studien belegt

Dieser Beitrag beruht auf wissenschaftlich gesicherten Informationen.
✓ studienbasiert & unabhängig
✓ transparente Quellenangabe

Frühere Studien deuteten darauf hin, dass Kaffee ungesund fürs Herz sein könnte

Schon in den 1970er Jahren wurden die Auswirkungen von regelmäßigem Kaffee-Genuss auf die Herzgesundheit untersucht. Damals deuteten verschiedene Studien darauf hin, dass hoher Kaffee-Konsum mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einhergehen könnte. Außerdem stand Kaffee im Verdacht, den Blutdruck zu erhöhen – ein kritischer Faktor für Herzkrankheiten. Diese frühen Ergebnisse prägen die Vorurteile gegenüber Kaffee bis heute. Doch die moderne Studienlange zeichnet ein ganz anderes Bild.

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Warum kommen heutige Studien zu anderen Ergebnissen?

Wissenschaftliche Forschung ist ein fortlaufender Prozess, bei dem es immer wieder zu neuen Erkenntnissen kommen kann. Gerade zu Beginn eines neuen Forschungsobjekts sind viele Studien noch nicht so aufwendig gestaltet. Sie liefern erste Hinweise, haben aber noch keine besonders hohe Beweiskraft. Mit der Zeit werden oft bessere Studien gemacht, die eine höhere Beweiskraft liefern. So auch bei der Erforschung von Kaffee und dessen Auswirkungen auf die Herzgesundheit. Hier waren die frühen Studien größtenteils Fall-Kontroll-Studien mit geringer Beweiskraft.

Kaffee erhöht den Blutdruck nur sehr gering

Kaffee steht im Verdacht, den Blutdruck zu erhöhen, was ein kritischer Faktor für Herzerkrankungen ist. Doch diesen Verdacht muss man nach aktueller Forschungslage relativieren: Kaffee erhöht den Blutdruck nur sehr gering. Das gilt übrigens auch für Menschen, die bereits an Bluthochdruck leiden. Langfristig scheinen die Auswirkungen auf den Blutdruck sogar völlig zu verschwinden, da sich der Körper an den Kaffee- und Koffein-Konsum mit der Zeit gewöhnt.

Außerdem scheint die leichte Erhöhung des Blutdrucks mit dem Koffein zusammenzuhängen. Bei Kaffee ohne Koffein konnten keine Auswirkungen auf den Blutdruck festgestellt werden. Alle Informationen und Studien dazu findest du in unserem Artikel „Erhöht Kaffee den Blutdruck?“.

Kaffee-Tasse mit Blitz-Symbol und Herz-Muster als Symbol für hohen Blutdruck
Bild: (c) Bannon Morrissy | unsplash.com

Selbst bei hohem Kaffee-Konsum: Kein Risiko fürs Herz!

In den letzten Jahren hat es zahlreiche Studien zur Frage, wie sich Kaffee auf die Herz-Gesundheit auswirkt, gegeben. Darunter sind Studien mit besserem Design und Beweiskraft, mehr Teilnehmer*innen und längeren Untersuchungszeiträumen als in den 1970er bis 90er Jahren. Ein chinesisches und amerikanisches Forscher-Team hat diese Studien in einer großen Meta-Analyse und systematischen Übersichtsarbeit ausgewertet.1) An den Studien waren insgesamt mehr als eine Millionen Teilnehmer*innen beteiligt und viele Befürchtungen konnten schließlich entkräftet werden:

Selbst bei einem regelmäßig hohen Kaffee-Konsum von mehr als fünf Tassen pro Tag konnte kein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten festgestellt werden.

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Und das gilt auch langfristig, denn der Untersuchungszeitraum der Studien lag durchschnittlich bei etwa zehn Jahren. Selbst bei Studien-Teilnehmer*innen, die rauchten oder erhöhten Blutdruck hatten, zeigte sich kein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch ihren Kaffee-Konsum.

Im Gegenteil: Kaffee scheint gut fürs Herz zu sein

Die Forscher fanden bei der Auswertung der Studien noch einen ganz anderen Zusammenhang, der die bisherigen Vermutungen sogar auf den Kopf stellt: Bei den Studien-Teilnehmer*innen waren drei bis fünf Tassen Kaffee täglich mit einem geringeren Herzkrankheiten-Risiko verbunden als bei vollständigem Kaffee-Verzicht. Es kann also vermutet werden, dass ein moderater täglicher Kaffee-Genuss eher vor Herzkrankheiten schützt, als dass er schadet.

Wasserdicht sind die aktuellen Studien-Ergebnisse aber immer noch nicht

Die große Übersichtsarbeit des chinesischen und amerikanischen Forschungsteams hat deutlich mehr Klarheit in die Fragestellung gebracht, wie sich Kaffee auf kardiovaskuläre Erkrankungen auswirkt. Die Ergebnisse werden auch durch andere Meta-Analysen verschiedener Studien gestützt.2)-5)

Doch die aktuellen Forschungsergebnisse sind noch nicht das letzte Wort. Denn auch sie haben noch einige Schwächen, sodass in Zukunft bessere Studien weitere Erkenntnisse zu Tage fördern werden. Die wichtigsten Kritikpunkte sind:

  1. Es fehlt ein klarer Beweis: Wie so häufig in der Ernährungswissenschaft können die analysierten Studien keinen klaren Beweis erbringen, da es sich um Beobachtungsstudien handelt. Diese Studien-Form kann keine Ursache-Wirkung-Beziehung belegen – also dass der Kaffee wirklich die Ursache der beobachteten Effekte ist. Verteidigend muss man sagen, dass beweiskräftigere Studien hier allerdings kaum umzusetzen sind.
  2. Mögliche Fehler-Quellen: Bei derartigen Beobachtungsstudien kann es zu Fehlern und Störeinflüssen kommen, welche die Ergebnisse verzerren. Zum Beispiel können andere Einflüsse aus Umwelt und Lebensstil, die sich ebenfalls auf die Herz-Gesundheit auswirken können, nicht sauber ausgeschlossen werden. So könnte es etwa sein, dass diejenigen, die bereits an einer Herzkrankheit leiden, häufiger keinen Kaffee trinken. Das könnte das Resultat, dass Kaffee-Trinker ein geringeres Risiko für Herz-Krankheiten haben als Kaffee-Abstinenzler, verzerrt haben.
    Allerdings weisen die Forscher*innen darauf hin, dass ein höherer Kaffee-Konsum eher mit einem weniger gesunden Lebensstil verbunden ist: Starke Kaffee-Trinker*innen rauchen häufiger, bewegen sich weniger und ernähren sich ungesünder. Wenn sie also trotzdem gesündere Herzen haben, könnte das mit den Substanzen im Kaffee zusammenhängen.
  3. Kaffee-Zubereitung ist unklar: In den Studien wurde nicht immer klar untersucht, welche Kaffee-Zubereitung gewählt wurde. Die Forscher der Meta-Analyse gehen zwar davon aus, dass in den meisten Studien Filter-Kaffee getrunken wurde, aber genau können sie das nicht bestimmen. Entsprechend gelten die Studien-Ergebnisse höchstwahrscheinlich nicht für ungefilterten Kaffee wie Mokka, French Press oder skandinavischer Kaffee.

Fazit: Kaffee scheint nach aktueller Studienlage gut fürs Herz zu sein

Auch wenn das letzte Wort in der Erforschung der Auswirkung von Kaffee auf die Herzgesundheit noch nicht gesprochen ist, deuten aktuelle Studien darauf hin, dass die früheren Vorurteile nicht haltbar sind: Regelmäßiger Kaffee-Konsum erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen auch auf lange Sicht nicht. Selbst bei Studien-Teilnehmer*innen, die bereits erhöhten Blutdruck hatten oder rauchten, konnte durch den Kaffee-Konsum kein höheres Herzkrankheiten-Risiko festgestellt werden. Das Gegenteil scheint eher richtig zu sein: Drei bis fünf Tassen Filterkaffee scheinen eine schützende Wirkung für das Herz zu haben.

Kritisch muss berücksichtigt werden, dass die aktuellen Studien einige Fehler-Quellen nicht ausschließen und keine Ursache-Wirkung-Beziehung belegen können. Allerdings ist die Studienlage heute deutlich besser als zur Zeit der vorherrschenden These, dass Kaffee ungesund fürs Herz sei.

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Quellen & Studien zu diesem Artikel

  • 1) Ding M et al.: Long-term coffee consumption and risk of cardiovascular disease: a systematic review and a dose-response meta-analysis of prospective cohort studies. In: Circulation. 2014; 129 (6): 643-659. DOI: 10.1161/CIRCULATIONAHA.113.005925
  • 2) Mostofsky E, Rice MS, Levitan EB, Mittleman MA: Habitual coffee consumption and risk of heart failure: a dose-response meta-analysis. In: Circ Heart Fail. 2012; 5 (4): 401-405. DOI: 10.1161/CIRCHEARTFAILURE.112.967299
  • 3) Nordestgaard AT, Nordestgaard BG: Coffee intake, cardiovascular disease and all-cause mortality: observational and Mendelian randomization analyses in 95 000-223 000 individuals. In: Int J Epidemiol. 2016; 45 (6): 1938-1952. DOI: 10.1093/ije/dyw325
  • 4) Wu JN, Ho SC, Zhou C, et al.: Coffee consumption and risk of coronary heart diseases: a meta-analysis of 21 prospective cohort studies. In: Int J Cardiol. 2009; 137 (3): 216-225. DOI: 10.1016/j.ijcard.2008.06.051
  • 5) Sofi F, Conti AA, Gori AM et al.: Coffee consumption and risk of coronary heart disease: a meta-analysis. In: Nutr Metab Cardiovasc Dis. 2007; 17 (3): 209-223. DOI: 10.1016/j.numecd.2006.07.013

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