Kaffeetasse mit Herzsymbol

Ist Kaffee gesund oder ungesund fürs Herz?

Die einen raten von Kaffee ab, weil er ungesund fürs Herz sein soll, die anderen behaupten genau das Gegenteil und empfehlen das dunkle Heißgetränk für die Herz-Gesundheit. Was stimmt denn nun? Wir haben uns die wichtigsten Studien angesehen und den aktuellen Stand der Forschung für dich zusammengefasst.

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Dieser Beitrag beruht auf wissenschaftlich gesicherten Informationen.
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✓ transparente Quellenangabe

Warum sollte Kaffee ungesund fürs Herz sein?

Verschiedene Studien deuten seit den 1970er Jahren darauf hin, dass hoher Kaffee-Konsum mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einhergehen könnte. Allerdings handelt es sich dabei größtenteils um Fall-Kontroll-Studien mit geringer Beweiskraft. Außerdem steht regelmäßiger Kaffee-Konsum im Verdacht, den Blutdruck zu erhöhen – ein wichtiger Faktor für Herzkrankheiten. Ob das aber wirklich stimmt, werden wir uns noch genauer ansehen.

Das hat lange Zeit dazu geführt, dass sowohl Medien als auch Ärzte vor regelmäßigen oder zumindest vor hohem Kaffee-Konsum gewarnt haben. Doch neue, bessere Studien zeichnen ein anderes Bild.

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Erhöht Kaffee den Blutdruck?

Kaffee putscht auf, erhöht den Herzschlag – also scheint es doch einleuchtend, dass Kaffee auch den Blutdruck erhöht. Und tatsächlich bestätigen bisherige Studien das auch, allerdings fällt die Erhöhung des Blutdrucks nur sehr gering aus. Das gilt übrigens auch für Menschen, die bereits an Bluthochdruck leiden. Langfristig scheinen die Auswwirkungen auf den Blutdruck sogar völlig zu verschwinden, da sich der Körper an den Kaffee- und Koffein-Konsum mit der Zeit gewöhnt.

Außerdem scheint die leichte Erhöhung des Blutdrucks mit dem Koffein zusammenzuhängen. Bei Kaffee ohne Koffein konnten keine Auswirkungen auf den Blutdruck festgestellt werden. Alle Informationen und Studien dazu findest du in unserem Artikel „Erhöht Kaffee den Blutdruck?“.

Neue Studien: Wie wirkt sich Kaffee auf die Herz-Gesundheit aus?

In den letzten Jahren hat es zahlreiche Studien zur Frage, wie sich Kaffee auf die Herz-Gesundheit auswirkt, gegeben. Darunter sind Studien mit besserem Design und Beweiskraft, mehr Teilnehmer*innen und längeren Untersuchungszeiträumen als in den 1970er bis 90er Jahren. Ein chinesisches und amerikanisches Forscher-Team hat diese Studien in einer großen Meta-Analyse und systematischen Übersichtsarbeit ausgewertet.1) An den Studien waren insgesamt mehr als eine Millionen Teilnehmer*innen beteiligt und viele Befürchtungen konnten schließlich entkräftet werden:

Selbst bei einem regelmäßig hohen Kaffee-Konsum von mehr als fünf Tassen pro Tag konnte kein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten festgestellt werden.

Und das gilt auch langfristig, denn der Untersuchungszeitraum der Studien lag durchschnittlich bei etwa zehn Jahren. Selbst bei Studien-Teilnehmer*innen, die rauchten oder erhöhten Blutdruck hatten, zeigte sich kein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch ihren Kaffee-Konsum.

Schützt Kaffee sogar vor Herz-Krankheiten?

Die Forscher fanden bei der Auswertung der Studien noch einen ganz anderen Zusammenhang, der die bisherigen Vermutungen sogar auf den Kopf stellt: Bei den Studien-Teilnehmer*innen waren drei bis fünf Tassen Kaffee täglich mit einem geringeren Herzkrankheiten-Risiko verbunden als bei vollständigem Kaffee-Verzicht. Es kann also vermutet werden, dass ein moderater täglicher Kaffee-Genuss eher vor Herzkrankheiten schützt, als dass er schadet.

Kaffee-Tasse mit Blitz-Symbol und Herz-Muster als Symbol für hohen Blutdruck
Bild: (c) Bannon Morrissy | unsplash.com

Wie gut sind die aktuellen Studien?

Die große Übersichtsarbeit des chinesischen und amerikanischen Forschungsteams hat deutlich mehr Klarheit in die Fragestellung gebracht, wie sich Kaffee auf kardiovaskuläre Erkrankungen auswirkt. Die Ergebnisse werden auch durch andere Meta-Analysen verschiedener Studien gestützt.2)-5)

Allerdings gibt es auch Kritikpunkte:

  1. Es fehlt ein klarer Beweis: Wie so häufig in der Ernährungswissenschaft können die analysierten Studien keinen klaren Beweis erbringen, da es sich um Beobachtungsstudien handelt. Diese Studien-Form kann keine Ursache-Wirkung-Beziehung belegen – also dass der Kaffee wirklich die Ursache der beobachteten Effekte ist. Verteidigend muss man sagen, dass beweiskräftigere Studien hier allerdings kaum umzusetzen sind.
  2. Mögliche Fehler-Quellen: Bei derartigen Beobachtungsstudien kann es zu Fehlern und Störeinflüssen kommen, welche die Ergebnisse verzerren. Zum Beispiel können andere Einflüsse aus Umwelt und Lebensstil, die sich ebenfalls auf die Herz-Gesundheit auswirken können, nicht sauber ausgeschlossen werden. So könnte es etwa sein, dass diejenigen, die bereits an einer Herzkrankheit leiden, häufiger keinen Kaffee trinken. Das könnte das Resultat, dass Kaffee-Trinker ein geringeres Risiko für Herz-Krankheiten haben als Kaffee-Abstinenzler, verzerrt haben.
    Allerdings weisen die Forscher darauf hin, dass ein höherer Kaffee-Konsum eher mit einem weniger gesunden Lebensstil verbunden ist: Starke Kaffee-Trinker rauchen häufiger, bewegen sich weniger und ernähren sich ungesünder.
  3. Kaffee-Zubereitung ist unklar: In den Studien wurde nicht immer klar untersucht, welche Kaffee-Zubereitung gewählt wurde. Die Forscher der Meta-Analyse gehen zwar davon aus, dass in den meisten Studien Filter-Kaffee getrunken wurde, aber genau können sie das nicht bestimmen. Entsprechend gelten die Studien-Ergebnisse höchstwahrscheinlich nicht für ungefilterten Kaffee wie Mokka, French Press oder skandinavischer Kaffee.

Fazit: Ist Kaffee gesund oder ungesund fürs Herz?

Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass regelmäßiger Kaffee-Konsum das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen auch auf lange Sicht nicht erhöht. Selbst bei Studien-Teilnehmer*innen, die bereits erhöhten Blutdruck hatten oder rauchten, konnte durch den Kaffee-Konsum kein höheres Herzkrankheiten-Risiko festgestellt werden. Drei bis fünf Tassen Kaffee täglich scheinen sogar eine schützende Wirkung für das Herz zu haben. Das alles gilt zumindest für Filter-Kaffee.

Kritisch muss berücksichtigt werden, dass die aktuellen Studien einige Fehler-Quellen nicht ausschließen und keine Ursache-Wirkung-Beziehung belegen können. Allerdings ist die Studienlage heute deutlich besser als zur Zeit der vorherrschenden These, dass Kaffee ungesund fürs Herz sei.

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Quellen & Studien zu diesem Artikel

  • 1) Ding M et al.: Long-term coffee consumption and risk of cardiovascular disease: a systematic review and a dose-response meta-analysis of prospective cohort studies. In: Circulation. 2014; 129 (6): 643-659. DOI: 10.1161/CIRCULATIONAHA.113.005925
  • 2) Mostofsky E, Rice MS, Levitan EB, Mittleman MA: Habitual coffee consumption and risk of heart failure: a dose-response meta-analysis. In: Circ Heart Fail. 2012; 5 (4): 401-405. DOI: 10.1161/CIRCHEARTFAILURE.112.967299
  • 3) Nordestgaard AT, Nordestgaard BG: Coffee intake, cardiovascular disease and all-cause mortality: observational and Mendelian randomization analyses in 95 000-223 000 individuals. In: Int J Epidemiol. 2016; 45 (6): 1938-1952. DOI: 10.1093/ije/dyw325
  • 4) Wu JN, Ho SC, Zhou C, et al.: Coffee consumption and risk of coronary heart diseases: a meta-analysis of 21 prospective cohort studies. In: Int J Cardiol. 2009; 137 (3): 216-225. DOI: 10.1016/j.ijcard.2008.06.051
  • 5) Sofi F, Conti AA, Gori AM et al.: Coffee consumption and risk of coronary heart disease: a meta-analysis. In: Nutr Metab Cardiovasc Dis. 2007; 17 (3): 209-223. DOI: 10.1016/j.numecd.2006.07.013

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