Macht grüner Tee wach?

Grüner Tee beinhaltet bekanntlich Koffein und steht daher im Verdacht, ein ähnlicher Wachmacher zu sein wie Kaffee. Doch gleichzeitig enthält grüner Tee auch Substanzen die eher beruhigend wirken. Macht grüner Tee unterm Strich also wirklich wach?

Eine Frau wacht gerade auf, weil sie grünen Tee getrunken hat.
(c) Alexandra Gorn | unsplash
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Dieser Beitrag beruht auf wissenschaftlich gesicherten Informationen.
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Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Während das Koffein im grünen Tee wach macht, wirkt die Aminosäure L-Theanin und das Catechin EGCG beruhigend.
  • Ob eine kurze Ziehzeit dank höherem Koffein-Anteil eher wach macht, während eine längere Ziehzeit des grünen Tees beruhigend wirkt, ist noch nicht gut erforscht.
  • Allerdings scheint eine längere Ziehzeit durch den besonders hohen Anteil an EGCG tatsächlich das Potential für eine primär beruhigende Wirkung zu haben.

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Macht grüner Tee wach und beruhigt zugleich?

Die Wirkung von grünem Tee auf das Gehirn wurde bereits in verschiedenen Studien untersucht.1) Einerseits scheint grüner Tee beruhigend zu wirken und Stress, Anspannung und Angstzustände zu reduzieren. Andererseits weisen die Untersuchungen auch darauf hin, dass 100 bis 500 Milliliter grüner Tee am Tag die Wachsamkeit, Aufmerksamkeit und Gedächtnisleistung steigert. Man könnte also sagen: Grüner Tee macht wach – und beruhigt zugleich. Wie funktioniert das?

Wach dank Koffein im grünen Tee?

Forscher der Oxford-Universität haben dazu elf Studien mit hoher Qualität ausgewertet – eine sogenannte Meta-Analyse von randomisierten Kontrollstudien am Menschen.2) Dabei fanden sie heraus, dass die Kombination aus L-Theanin und Koffein – so wie sie im grünen Tee vorkommt – die Wachsamkeit erhöht, wobei die Forscher vermuten, dass das Koffein dabei die Hauptrolle spielt. Allerdings fiel dieser anregende Effekt in der ersten Stunde nach der Einnahme mäßig und schon in der zweiten Stunde nur noch gering aus. Das gleiche gilt auch für die Erhöhung der Aufmerksamkeit.

Kritisch müssen wir an dieser Stelle einwenden, dass in den Studien die Wirkung der isolierten Inhaltsstoffe von grünem Tee untersucht wurden. Das heißt, es wurde erforscht, was passiert, wenn Menschen reines L-Theanin und Koffein zu sich nehmen. Im grünen Tee sind aber noch viele weitere Inhaltsstoffe enthalten, die mit diesen Komponenten zusammenwirken. Eine exakte Bestimmung, welcher Inhaltsstoff im grünen Tee was bewirkt, ist daher kaum möglich.1)

Außerdem waren Firmen wie Unilever, der Pharmakonzern Glaxo-Smith-Kline und das chinesische Unternehmen Taiyo Kagaku Company (Produzent von Lebensmittelzusatzstoffen) an der Oxford-Analyse beteiligt. Das muss die Qualität der Forschungsarbeit nicht unbedingt verschlechtern, lässt aber zumindest die Unabhängigkeit bezweifeln.

Warum wirkt grüner Tee auch beruhigend?

In der Oxford-Analyse wurde auch die Wirkung des Catechin Epigallocatechingallat (kurz: EGCG) untersucht, das in grünem Tee besonders stark vorkommt.2) Wenn von Polyphenolen, Flavonoiden oder Gerbstoffen im grünen Tee die Rede ist, dann ist damit in erster Linie EGCG gemeint. Hier liegen noch keine ausreichenden Daten vor, aber es gibt Hinweise darauf, dass EGCG zwei Stunde nach der Einnahme eine beruhigende Wirkung haben könnte.

In anderen Studien wurde auch die Aminosäure L-Theanin mit einer beruhigenden, entspannenden Wirkung in Verbindung gebracht.3) Es scheint sogar die belebende Wirkung des Koffeins zu reduzieren3), da Koffein allein die Wachsamkeit stärker erhöht als in Kombination mit L-Theanin.2) Mehr dazu liest du in unserem Artikel über die beruhigende Wirkung von grünem Tee.

Eine Frage der Ziehzeit?

In einigen Veröffentlichungen wird behauptet, dass es drauf ankäme, wie lange grüner Tee zieht: Bei zwei bis drei Minuten Ziehzeit würde Grüntee wach machen, da der Koffein-Anteil höher sei. Bei vier bis fünf Minuten seien dagegen mehr Gerbstoffe im Tee vorhanden, die eher einen beruhigenden Effekt haben. Wirklich verlässliche Studien gibt es für diese Behauptung jedoch nicht.

Zwar stimmt es, dass ein Großteil des Koffeins im grünen Tee schon nach wenigen Minuten ins Teewasser übergeht5), aber das trifft auch auf das L-Theanin zu, das die belebende Wirkung von Koffein eher zu reduzieren scheint.4) Zumindest scheint der höchste Anteil des beruhigenden EGCG tatsächlich erst nach einer längeren Ziehzeit erreicht.6) Bislang ist die Bedeutung der Ziehzeit von grünem Tee in diesem Zusammenhang aber noch nicht gut erforscht. Mehr dazu kannst du in unserem Artikel über die richtige Ziehzeit von grünem Tee lesen.

Fazit: Macht grüner Tee wach?

Ja, grüner Tee scheint wach zu machen, allerdings fällt dieser Effekt eher mäßig bis gering aus. Das könnte daran liegen, dass andere Bestandteile des grünen Tees wie L-Theanin und EGCG die belebende Wirkung von Koffein reduzieren und beruhigend wirken. Die Ziehzeit ist in diesem Zusammenhang noch nicht ausreichend erforscht: Sowohl Koffein als auch L-Theanin werden schon nach wenigen Minuten gelöst. Eine längere Ziehzeit hat dagegen das Potential zu beruhigen, da der Anteil des EGCG dann am höchsten ist.

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Quellen & Studien zu diesem Artikel

  • 1) Beglinger, C et al.: Green tea effects on cognition, mood and human brain function: A systematic review. In: Phytomedicine. 2017 Oct 15; 34: 26-37. DOI: 10.1016/j.phymed.2017.07.008
  • 2) Camfield, DA et al.: Acute effects of tea constituents L-theanine, caffeine, and epigallocatechin gallate on cognitive function and mood: a systematic review and meta-analysis. In: Nutr Rev. 2014 Aug; 72 (8): 507-22. DOI: 10.1111/nure.12120
  • 3) Dietz C, Dekker M.: Effect of Green Tea Phytochemicals on Mood and Cognition. In: Curr Pharm Des. 2017; 23 (19): 2876-2905. DOI: 10.2174/1381612823666170105151800
  • 4) Engelhardt, U.H., Simonides, M.: Schnellmethode zur Bestimmung von Theanin in Tee. In: Lebensmittelchemie 61 (2007), 139-140.
  • 5) Germershaus, O., Imming, P.: Kaffee und Tee: Alltagsdrogen oder Allheilmittel. In: Pharm. Ztg. 146, Nr. 50 (2001), 10-15.
  • 6) Vuong QV et al.: Optimizing conditions for the extraction of catechins from green tea using hot water. In: J Sep Sci. 2011 Nov; 34 (21): 3099-106. DOI: 10.1002/jssc.201000863

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Aktualisiert am 28.12.2020

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