Verstärkt Calcium die Arterienverkalkung?

Eine Arteriosklerose , auch Arterienverkalkung genannt, entsteht unter anderem durch Einlagerungen von Fetten und Calciumsalzen in den Blutgefäß-Wänden. Das führt zur Verengung und Verhärtung der Arterien, was wiederum das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erhöht. Gute Gründe also, einer Arterienkalkung möglichst vorzubeugen. Eine Auswertung von neun Studien hat dazu jetzt neue Erkenntnisse gebracht.

Calcium-Nahrungsergänzungsmittel erhöhen das Risiko für Arterienverkalkung
(c) Maria Ionova | unsplash

Teile diesen Beitrag:

WhatsApp
Twitter
Facebook
Telegram
Email
wissenschaftlich gesicherte Ernährungsinfos

Dieser Beitrag beruht auf wissenschaftlich gesicherten Informationen.
✓ studienbasiert & unabhängig
✓ transparente Quellenangabe

⌛ Die Kernaussagen in Kürze:

✓ Neue Studien weisen auf ein höheres Risiko für Arterienverkalkung durch Calcium-Nahrungsergänzungsmittel hin.

✓ Klare Beweise fehlen zwar weiterhin, allerdings geben die bisherigen Hinweise zu denken – gerade bei selbständiger Einnahme und Dosierung von Calcium.

✓ Schon frühere Studien haben auf ein stärkeres Risiko für Herzgefäß-Erkrankungen bei hoher Calcium-Einnahme hingedeutet.

Erhöht Calcium-Nahrungsergänzung das Risiko für Arterienverkalkung?

Calcium-Nahrungsergänzungsmittel (NEMs) werden häufig bei Knochen-Krankheiten verschrieben. Allerdings wird in der Wissenschaft diskutiert, ob ein durch Nahrungsergänzungsmittel hervorgerufener hoher Calciumspiegel im Blut das Risiko für Arteriosklerose (Arterienverkalkung) verstärkt. Vor allem die Herz-Arterien scheinen anfällig für eine solche „Verkalkung“ zu sein. Während erste Tierversuche keinen Zusammenhang zwischen oraler Calcium-Einnahme und Herzgefäß-Erkrankungen vermuten ließen, deuten neuere Studien auf das Gegenteil hin.

Neue Studie zeigt höheres Risiko für Arterienverkalkung

2020 veröffentlichte eine amerikanische Forschergruppe die Auswertung von neun Studien, in denen Patient*innen mit koronaren Herzkrankheiten untersucht wurden.1) In den Studien überprüften die Forscher*innen die kranken Herz-Arterien mit einem sogenannten Intravaskulären Ultraschall. Dabei wird eine kleine Ultraschall-Sonde in die Arterien eingeführt, um Verengungen aufzuspüren, wie sie durch Arteriosklerose entstehen.

IVUS-Intravaskulaerer Ultraschall: Arterien-Verkalkung
Untersuchung der Arterien mittels Intravaskulaerer Ultraschall | (c) Ksheka at English Wikipedia | Creative Commons Attribution-Share Alike 2.5 Generic

Nach Auswertung aller Daten zeigte sich, dass Patient*innen, die Calcium-Nahrungsergänzungsmittel zu sich nahmen, eine statistisch signifikant höhere Kalzifikation der Herz-Arterien aufwiesen. Das bedeutet, dass sich Calciumsalze in der inneren Wandschicht der Blutgefäße eingelagert haben, die zu einer Arterienverkalkung führen können. 

Was ist jetzt aber das Neue an dieser Studie, wenn auch schon frühere Untersuchungen Hinweise geliefert haben, dass hohe Calcium-Einnahmen das Risiko für Hergefäß-Erkrankungen erhöhen können? In den bisherigen Studien bestand noch Unklarheit, welchen Einfluss andere Faktoren wie das fortgeschrittene Alter der Patient*innen oder die individuelle Nierenfunktion auf die Ergebnisse hatten.

In dieser Studien-Auswertung konnte erstmals gezeigt werden, dass die Arterienverkalkung durch Calcium-Nahrungsergänzungsmittel unabhängig vom Alter, der Nierenfunktion und des zum Studienstart schon vorhandenen Verkalkungs- und Calciums-Levels auftrat.

Ist Calcium-Nahrungsergänzung also schädlich?

Anhand der bisherigen Studienlage lässt sich noch nicht eindeutig sagen, ob Calcium-Nahrungsergänzungsmittel (NEMs) tatsächlich für die Arterienverkalkung verantwortlich sind. Daran ändert auch die neue Studien-Auswertung von 2020 nichts. Sie liefert zwar stärkere Hinweise darauf, dass ein höheres Risiko für Herz-Arterien-Verkalkung mit der Einnahme von Calcium-Nahrungsergänzungsmitteln einhergehen könnte – beweisen kann sie das aber nicht.

Das hat mit dem grundsätzlichen Design der Studien zu tun und mit einigen Schwachstellen: Beispielsweise wurden die Teilnehmer*innen nur gefragt, welche Medikamente sie einnehmen, um deren Wirkung ausschließen zu können. Es wurde aber nicht gefragt, ob die Teilnehmer*innen privat noch weitere Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen. Es kann also nicht ausgeschlossen werden, dass möglicherweise ein ganz anderer Stoff (vielleicht in Kombination mit den Calcium-Supplements) für die Arterienverkalkung verantwortlich ist. Außerdem kann die Studie nicht aufzeigen, ab welcher Calcium-Dosis die Arterienverkalkung denn zunimmt.

Selbst-Therapie mit Calcium? Besser nicht!

Trotzdem sollten diese Ergebnisse auch zu denken geben: Die fortschreitende Arterienverkalkung wurde in den Studien schon innerhalb eines Zeitraum von 18 bis 24 Monaten beobachtet. Das ist relativ kurz im Vergleich zur Dauer typischer Calcium-Therapien. Was also könnten die Folgen einer langen Calcium-Therapie für die Arterien-Gesundheit sein? Vor allem sollten die Ergebnisse deutlich machen, dass man sich nicht einfach selbst therapieren sollte. Wer ohne ärztliche Anleitung regelmäßig Calcium-Präparate aus der Drogerie zu sich nimmt, könnte möglicherweise seiner Gesundheit schaden.

Ernährungs-Newsletter

Alle Fakten für deine Ernährung per E-Mail

Bekomme alle neuen Ernährungs-Beiträge von unseren Experten jeden Monat per E-Mail – kostenfrei und ohne Werbung!

Teile diesen Beitrag:

WhatsApp
Twitter
Facebook
Telegram
Email
FoodProfs.com Logo

Kennst du das schon?

Quellen & Studien zu diesem Artikel

  • 1) Bazarbashi N, Kapadia SR, Nicholls SJ, Carlo J, Gad MM, Kaur M, Karrthik A, Sammour YM, Diab M, Ahuja KR, Tuzcu EM, Nissen SE, Puri R. Oral Calcium Supplements Associate With Serial Coronary Calcification: Insights From Intravascular Ultrasound. JACC Cardiovasc Imaging. 2021 Jan; 14 (1): 259-268. DOI: 10.1016/j.jcmg.2020.06.030

ⓘ  Informationen zu diesem Artikel:

Aktualisiert am 04.06.2021

Inhalt