Schwangere Frau mit Kaffee, die sich fragt, ob Kaffee in der Schwangerschaft ungesund ist

Ist Kaffee in der Schwangerschaft gefährlich?

Viele werdenden Mütter fragen sich, ob sie Kaffee während der Schwangerschaft trinken dürfen oder ob das gefährlich für das Kind ist. Wir haben uns die aktuellen Studien angesehen und den Stand der wissenschaftlichen Forschung zusammengefasst.

Aktualisiert am 14.09.2020

wissenschaftlich gesicherte Ernährungsinfos

Dieser Beitrag beruht auf wissenschaftlich gesicherten Informationen.
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Warum kann Kaffee in der Schwangerschaft gefährlich werden?

Das im Bauch der schwangeren Mutter heranwachsende Kind bedarf besonderen Schutz. Nicht alle Nährstoffe, die die Mutter zu sich nimmt, sind auch für das Kind sinnvoll. Außerdem muss das Kind auch vor möglichen Schadstoffen geschützt werden. Diese Funktion übernimmt die Plazentaschranke im Mutterleib, die den Blutkreislauf der Mutter von dem des Kindes trennt.

Das Koffein im Kaffee kann diese Plazentaschranke allerdings durchbrechen. Über das Fruchtwasser oder die Nabelschnur kann der Fötus dann dem Koffein ausgesetzt sein, obwohl er kaum Möglichkeiten hat, diesen Stoff abzubauen.4)

Was kann das für Auswirkungen auf das Kind haben? Wir haben die wissenschaftlichen Erkenntnisse für dich zusammengefasst.

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Wie gut sind die aktuellen Studien?

Die aktuelle Studienlage zur Frage, welche Auswirkungen Kaffee-Konsum während der Schwangerschaft hat, ist insgesamt noch sehr oberflächlich. Die Evidenz, also wissenschaftliche Beweiskraft, der meisten Studien ist ziemlich dünn, sodass keine der Studien in der Lage ist, eine Ursache-Wirkung-Beziehung zu beweisen.

Das ist allerdings in diesem Fall aus ethischen Gründen auch nicht möglich. Um Studien mit hoher Beweiskraft durchzuführen, müssten die schwangeren Frauen zufällig in zwei Gruppen eingeteilt werden. In der einen Gruppe würden die Frauen regelmäßig Kaffee trinken, in der anderen nicht. Anschließend würde man sich die Auswirkungen des Kaffee-Konsums auf die Neugeborenen im Vergleich zur Gruppe ohne Kaffee ansehen. Dass man jedoch nicht einfach schwangere Frauen in einer Studie zum Kaffee-Trinken „zwingen“ darf, wenn die Gefahr besteht, dass das negative Auswirkungen auf ihre Kinder hat, liegt auf der Hand.

Trotz der geringen Beweiskraft der bisherigen Studien stellt sich hier allerdings die Frage: Reichen die aktuellen Hinweise nicht aus, um vorsorglich zu handeln? Selbst wenn die Studienlage nicht glasklar ist und sich in besseren Studien später ein anderes Bild ergeben könnte: Wiegt die Gefahr, dass Kaffee- und Koffein-Konsum während der Schwangerschaft dem Kind schaden könnten, nicht so schwer, dass wir vorsorglich darauf verzichten sollten? Zumindest bis die derzeitigen Hinweise deutlich entkräftet werden können.

Erhöht Kaffee das Risiko für Schwangerschaftsverlust?

Bisherige Studien deuten darauf hin, dass Kaffee-Trinken während der Schwangerschaft tatsächlich das Risiko für einen Schwangerschaftsverlust erhöhen kann. Je mehr Kaffee in der Schwangerschaft getrunken wird, umso höher ist das Risiko.1)

Auch bei diesen Studien handelt es sich lediglich um erste Hinweise, die jedoch ernst genommen werden und zur Vorsorge anregen sollten. Um diese Hinweise der bisherigen Fall-Kontroll-Studien und Kohortenstudien zu stützen, sind Studien mit größeren Stichproben-Größen und stärkerer statistischer Aussagekraft nötig.

Schwangere Frau hält sich den Bauch
(c) Camylla Battani | unsplash

Verringert Kaffee in der Schwangerschaft das Geburtsgewicht des Kindes?

In einer Meta-Analyse wurden die Ergebnisse mehrerer Studien zu den Auswirkungen von Koffein-Konsum schwangerer Frauen untersucht.2) Die Forscher wollten dabei herausfinden, ob die Kinder der Frauen, die in der Schwangerschaft Koffein zu sich genommen hatten, häufiger ein niedriges Geburtsgewicht hatten. Als niedriges Geburtsgewicht gilt dabei alles unter 2.500 Gramm.

Die Meta-Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass es Koffein-Konsum in der Schwangerschaft tatsächlich wahrscheinlicher macht, dass Kinder mit einem geringen Geburtsgewicht zur Welt kommen bzw. das Wachstum des Fötus beeinträchtigt wird. 

Je mehr Koffein die werdende Mutter zu sich nimmt, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit für ein zu niedriges Geburtsgewicht des Kindes.

Mit jeder Tasse Kaffee oder 100 Gramm Koffein steigt das Risiko um 3 Prozent. Die Kinder der Frauen, die in den Studien am meisten Koffein während der Schwangerschaft zu sich genommen hatten, hatten ein um 37,8 % höheres Risiko für ein geringes Geburtsgewicht als die Kinder der Frauen, die am wenigsten Koffein konsumierten. Die Ergebnisse bestätigen damit die Resultate einer älteren Meta-Analyse von 1998.3)

Erhöht Kaffee in der Schwangerschaft das Krebs-Risiko für das Kind?

Auch bei diesen Studien-Ergebnissen sei noch einmal darauf hingewiesen, dass die Evidenz (Beweiskraft) noch sehr gering ist. Dennoch sollten auch diese ersten Hinweise zur Vorsorge anregen – gerade wenn es um das Leukämie-Risiko bei Kindern geht. Denn eine Analyse von acht Fall-Kontroll-Studien deutet darauf hin, dass das Risiko für eine bestimmte Form des Blutkrebs (akute lymphoblastische Leukämie – oder kurz „ALL“) durch Koffein-Konsum der schwangeren Frau erhöht werden könnte.5)

Bei einer akuten lymphoblastischen Leukämie kommt es zu einer Verminderung der Knochenmark-Funktion und so zu einer schwächer werdenden gesunden Blutbildung. Es entsteht ein Mangel an roten Blutzellen und Blutplättchen. Damit einher geht eine zunehmende allgemeine Schwäche und Neigung zu Blutungen.

Da es sich lediglich um Fall-Kontroll-Studien handelt, die hier ausgewertet wurden, sind bessere und langfristigere Studien nötig, um zu verlässlicheren Ergebnissen zu kommen. Mitunter können die Resultate dann ganz anders ausfallen, wie etwa bei der Frage, ob Kaffee gesund fürs Herz ist.

Fazit: Solltest du auf Kaffee in der Schwangerschaft verzichten?

Die bisherigen Studien deuten darauf hin, dass Kaffee-Konsum während der Schwangerschaft das Risiko für ein geringes Geburtsgewicht des Kindes und Schwangerschaftsverlust erhöhen kann. Außerdem gibt es erste Hinweise, dass ein hoher Koffein-Konsum in der Schwangerschaft das Risiko für Leukämie beim Kind erhöhen könnte. Die Beweiskraft der aktuellen Studien ist zwar noch recht gering, allerdings sollten diese ersten Hinweise zum vorsorglichen Schutz des Kindes ernstgenommen werden.

Die Empfehlung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit lautet, dass schwangere und stillende Frauen maximal 200 mg Koffein (etwa zwei Tassen Kaffee) über den Tag verteilt zu sich nehmen sollten. Bisherige Studien deuten darauf hin, dass bis zu dieser Menge kein erhöhtes Gesundheitsrisiko für das Kind besteht. Allerdings sind auch diese Studien in ihrer Beweiskraft begrenzt.

Lebensmittel mit einem erhöhten Koffein-Gehalt von 150 mg pro Liter müssen in der EU daher auch den Hinweis tragen: „Für Kinder und schwangere oder stillende Frauen nicht empfohlen“. Allerdings gilt diese Kennzeichnungs-Pflicht nicht für Kaffee oder Tee sowie Produkte, die darauf basieren.

Wir empfehlen lieber etwas übervorsichtig zu sein und ganz auf Kaffee und Koffein während der Schwangerschaft zu verzichten.

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Quellen & Studien zu diesem Artikel

  • 1) Li J, Zhao H et al.:. A meta-analysis of risk of pregnancy loss and caffeine and coffee consumption during pregnancy. In: Int J Gynaecol Obstet. 2015; 130 (2): 116-122. DOI: 10.1016/j.ijgo.2015.03.033
  • 2) Rhee J, Kim R, Kim Y, et al.: Maternal Caffeine Consumption during Pregnancy and Risk of Low Birth Weight: A Dose-Response Meta-Analysis of Observational Studies. In: PLoS One. 2015; 10 (7): e0132334. Published 2015 Jul 20. DOI: 10.1371/journal.pone.0132334
  • 3) Fernandes, O et al.: Moderate to heavy caffeine consumption during pregnancy and relationship to spontaneous abortion and abnormal fetal growth: a meta-analysis. Reprod Toxicol. 1998; 12 (4): 435–44. DOI: 10.1016/s0890-6238(98)00024-0
  • 4) Aldridge A, Aranda JV, Neims AH: Caffeine metabolism in the newborn. In: Clin Pharmacol Ther 1979; 25 (4): 447–53. DOI: 10.1002/cpt1979254447
  • 5) Milne E, Greenop KR, Petridou E, et al.: Maternal consumption of coffee and tea during pregnancy and risk of childhood ALL: a pooled analysis from the childhood Leukemia International Consortium. In: Cancer Causes Control. 2018; 29 (6): 539-550. DOI: 10.1007/s10552-018-1024-1
  • 6) Rhee J, Kim R, Kim Y, et al.: Maternal Caffeine Consumption during Pregnancy and Risk of Low Birth Weight: A Dose-Response Meta-Analysis of Observational Studies. In: PLoS One. 2015; 10 (7): e0132334. Published 2015 Jul 20. DOI: 10.1371/journal.pone.0132334

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