Produkt-Test: Welche Nahrungsergänzungsmittel für Schwangere sind wirklich gut?

Nahrungsergänzungsmittel für Schwangere gibt es wie Sand am Meer. Doch viele sind unnötig teuer, überdosiert oder enthalten viel zu viele Inhaltsstoffe. Wir haben einige bekannte Produkte unter die Lupe genommen und analysiert, welche wirklich empfehlenswert sind. 

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Frau hält Nahrungsergänzungsmittel für Schwangere in der Hand
(c) Artem Podrez | pexels
Ernährungsfakten wissenschaftlich mit Studien belegt

Dieser Beitrag beruht auf wissenschaftlich gesicherten Informationen.
✓ studienbasiert & unabhängig
✓ transparente Quellenangabe

Fast nur Multi-Mikronährstoff-Produkte für Schwangere

Das Angebot an Nahrungsergänzungsmitteln, die speziell Schwangere mit allen wichtigen Nährstoffen versorgen sollen, ist riesig. In unserem Beitrag „Nahrungsergänzungsmittel in der Schwangerschaft – Was muss wirklich ergänzt werden?“ haben wir bereits erklärt, dass nur Folsäure und Jod generell ergänzt werden müssen (sofern keine Schilddrüsenerkrankung vorliegt). Trotzdem gibt es fast nur Multi-Mikronährstoff-Präparate für Schwangere auf dem Markt. Diese enthalten meist einen ganzen Cocktail an Nährstoffen, die nicht für jede Schwangere sinnvoll sind. Das kritisieren auch Stiftung Warentest2) (06/2019, S. 90-93) und die Verbraucherzentrale.3) Außerdem gibt es große Preisunterschiede, die von wenigen Cent bis fast zwei Euro pro Tagesdosis reichen.

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Viele Nahrungsergänzungsmittel für Schwangere sind überdosiert

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg kritisiert in ihren sehr guten Markt-Checks, dass die meisten Hersteller nach dem falschen Prinzip „viel hilft viel“ verfahren: „Vielfach wurden die Zufuhr-Empfehlungen überschritten und gerade der Jodgehalt war zu hoch. Gerade die teuren Kombinationsprodukte werden in Arztpraxen und Apotheken häufig offensiv beworben“, warnt die Verbraucherzentrale und empfiehlt, sich davon nicht verunsichern zu lassen.3) Stattdessen ist es wichtig, selbst gut aufgeklärt zu sein und einen kritischen Blick auf die Inhaltsstoffe zu werfen.

Bei schlechter Versorgung können Multi-Mikronährstoff-Produkte sinnvoll sein

Andererseits zeigen Studien, dass zumindest in Haushalten mit niedrigem Einkommen oder in solchen, in denen keine ausgewogene, gesunde Ernährung an der Tagesordnung steht, günstige Multi-Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sein können.4) Hier hatten Frauen, die während der Schwangerschaft Multi-Mikronährstoff-Nahrungsergänzungsmitteln einnahmen, seltener zu kleine und zu leichte Babys und seltener Frühgeburten.

Produkt-Test: Welche Nahrungsergänzungsmittel für Schwangere sind empfehlenswert?

Avitale Folsäure Plus

✅ Fazit: Empfehlenswert! Günstig und kein unnötiger Nährstoff-Cocktail.

Preis: 0,05 € / Tagesdosis

Von Stiftung Warentest2) empfohlen und ebenso von uns: Avitale Folsäure Plus. Da es ohnehin fast nur Multi-Mikronährstoff-Präparate für Schwangere auf dem Markt gibt, kommt auch dieses Produkt nicht ohne Zusatz aus – hält sich dabei aber in Grenzen: Neben Folsäure und Jod ist lediglich Vitamin B12 (10 µg pro Tablette) zugesetzt. Das macht immerhin für den Fall Sinn, wenn wenig oder keine tierische Produkte verzehrt werden oder eine Vitamin B12-Unterversorgung vorliegt, die auch die Folsäure-Aufnahme hemmen kann. Entsprechend hat das Nahrungsergänzungsmittel auch ein Vegan-Siegel. Da Vitamin B12 wasserlöslich ist, werden überschüssige Mengen einfach wieder über den Urin ausgeschieden.

Es gibt zwei Produkte, die aufeinander aufbauen: „Avitale Folsäure 800 Plus – Vom Kinderwunsch bis zur 13. Woche“ und „Avitale Folsäure 400 Plus – Von der 13. Woche bis zur Stillzeit“. Und hier liegt auch ein Kritikpunkt: Das erste Produkt „800 Plus“ enthält 800 µg Folsäure – doppelt so viel wie die nationale Handlungsempfehlung vorgibt. Deshalb ist dieses Produkt nur den Schwangeren zu empfehlen, die erst nach der Befruchtung mit der Folsäure-Einnahme begonnen haben. Alle anderen können von vornherein zu „Avitale Folsäure 400 Plus“ greifen.

Ein weiterer Kritikpunkt: Die Tabletten sind in einem als „besonders praktisch“ angepriesenen Plastikspender untergebracht. In der täglichen Handhabung ist das aber nicht wirklich praktisch, da man gerade bei niedrigen Füllständen oft mehrere Versuche braucht, bis endlich eine Tablette aus dem Spender kommt – vermutlich inklusive einer Prise Mikroplastik. Das geht besser! Dafür ist der Preis kaum schlagbar: Mit gerade mal 5 Cent pro Tagesdosis ist das Produkt das mit Abstand günstigste.

Folio forte

✅ Fazit: Empfehlenswert! Günstig und kein unnötiger Nährstoff-Cocktail. Folio forte gibt es auch in einer Variante ohne Jod für Schwangere mit einer Schilddrüsen-Erkrankung.

Preis: 0,08 € / Tagesdosis

Ebenfalls von Stiftung Warentest2) und auch von uns empfohlen: Folio forte. Das Nahrungsergänzungsmittel kommt neben 400 bzw. 800 µg Folsäure und 150 µg Jod ebenfalls nicht ohne Zusätze aus – das aber auch wieder im überschaubaren Rahmen: Hier sind nicht nur zusätzlich 9 µg Vitamin B12 enthalten, sondern auch noch 20 µg Vitamin D3.

Wie erwähnt, kann Vitamin B12 bei geringem oder keinem Verzehr von tierischen Produkten Sinn machen und überschüssige Mengen werden einfach wieder ausgeschieden. Das ist bei Vitamin D jedoch anders. Zwar liegt die Menge von 20 µg Vitamin D3 im Rahmen der Zufuhr-Empfehlung und ist weit von der noch als sicher geltenden Höchstgrenze von 100 µg Vitamin D3 pro Tag entfernt. Allerdings ist die generelle Zugabe auch nicht unbedingt nötig, zumal die Studienlage hier noch recht dünn ist. Wir empfehlen Folio forte daher eher Schwangeren, die wenig Sonne abbekommen oder in den Wintermonaten schwanger sind.

Auch bei Folio forte gibt es wieder zwei Produkte: „Folio forte Phase 1 – Ab Kinderwunsch bis zur 12. Woche“ und „Folio forte Phase 2 – Ab der 13. Woche bis zur Stillzeit“. Die Produkte gibt es darüber hinaus auch in einer Variante ohne Jod für Schwangere mit Schilddrüsen-Erkrankung.

Der schon bei Avitale geäußerte Kritikpunkt wiederholt sich auch hier: „Folio forte Phase 1“ enthält mit 800 µg doppelt so viel Folsäure wie die nationale Handlungsempfehlung vorgibt. Das ist nur sinnvoll, wenn nicht schon vier Wochen vor Empfängnis mit der Folsäure-Einnahme begonnen wurde. Ansonsten kann direkt das Produkt „Folio forte Phase 2“ verwendet werden, das die empfohlenen 400 µg Folsäure enthält.

Davon abgesehen sind die Inhaltsstoffe der beiden Produkte gleich. Weitere Gemeinsamkeiten mit Avitale sind zum einen der etwas nervige Plastikspender, zum anderen aber auch der sehr günstige Preis von 8 Cent pro Tagesdosis. Das kann sich sehen lassen!

femibion

⛔ Fazit: Nicht empfehlenswert! Teurer und unnötiger Nährstoff-Cocktail. Enthält Eisen, das nicht ohne ärztliche Absprache eingenommen werden sollte.

Preis: 0,68 € / Tagesdosis

femibion von Procter & Gamble wird sehr häufig in Arztpraxen und Apotheken empfohlen und ist eines der bekanntesten Nahrungsergänzungsmittel für Schwangere – obwohl es zu den teuersten Produkten zählt. Dass Stiftung Warentest das Produkt recht undifferenziert als „geeignet“ einstuft2), verwundert allerdings, denn es enthält einen wahren Nährstoff-Cocktail: Allein in femibion 1 sind neben Vitamin B12 auch noch unnötigerweise Vitamin B1, 2 und 6 enthalten, Biotin, Niacin, Pantothensäure, Vitamin E und C, Selen und Cholin. Außerdem ist Vitamin D zugesetzt, was immerhin unter bestimmten Umständen noch sinnvoll sein kann.

Problematisch ist aber, dass auch Eisen enthalten ist, was nur unter ärztlicher Rücksprache und bei einem festgestellten Eisen-Mangel supplementiert werden sollte. Stiftung Warentest kritisiert den Eisen-Zusatz zwar bei anderen Produkten, schweigt sich bei femibion allerdings aus. Hier ist der Markt-Check der Verbraucherzentrale deutlich besser, der sich damit kritischer auseinandersetzt.

Es gibt gleich vier Produkte in der femibiom-Reihe: „femibion Babyplanung“, „femibion 1 – Frühschwangerschaft bis zur 12. Woche (auch ohne Jod)“, „femibion 2 – Schwangerschaft aber der 13. Woche“ und „femibion 3 – Stillzeit“. Das schon bekannte Problem, dass das Produkt für die erste Schwangerschaftsphase generell 800 µg Folsäure enthält – was sich nur bei verspäteter Supplementierung empfiehlt – kann auch hier wieder durch den Griff zum Phase-2-Produkt mit 400 µg Folsäure gelöst werden. Die empfohlene Jod-Zufuhr wird eingehalten.

Neben dem unnötigen Nährstoff-Cocktail ist der Preis der größte Knackpunkt: Mit 68 Cent pro Tagesdosis bei dem Phase-1-Produkt ist femibion dreizehnmal so teuer wie Avitale.

femix alpha

✅ Fazit: Empfehlenswert, da kein unnötiger Nährstoff-Cocktail. Aber ist trotz gleicher Inhaltsstoffe deutlich teurer als Folio forte.

Preis: 0,55 € / Tagesdosis

femix alpha ist von den Inhaltsstoffen recht ähnlich wie Folio forte und enthält neben Folsäure und Jod auch Vitamin B12 und Vitamin D3. Allerdings ist es fast siebenmal so teuer.

Mama plus von Doppelherz

⛔ Fazit: Nicht empfehlenswert! Unnötiger Nährstoff-Cocktail und erfüllt mit 600 µg Folsäure nicht die Zufuhr-Empfehlung für Schwangere.

Preis: 0,26 € / Tagesdosis

Mama plus von Doppelherz kommt mit einem ähnlich überflüssigen Nährstoff-Cocktail daher wie femibion. Hier müssen zwei Kapseln pro Tag eingenommen werden. Mit 600 µg Folsäure wird die Zufuhr-Empfehlung für Schwangere, die schon früh Folsäure supplementiert haben, überschritten. Für diejenigen, die erst nach der Empfängnis damit begonnen haben, wird sie dagegen unterschritten. Außerdem ist Eisen zugesetzt, zwar in einer geringeren Menge als bei femibion, aber auch das sollte nur in ärztlicher Absprache geschehen. Mit 0,26 Cent pro Tagesdosis immerhin günstiger als femibion.

Mama plus von Doppelherz

⛔ Fazit: Nicht empfehlenswert! Teurer und unnötiger Nährstoff-Cocktail. Enthält Eisen, das nicht ohne ärztliche Absprache eingenommen werden sollte.

Preis: 0,68 € / Tagesdosis

Auch Bayer macht es mit seinem Nahrungsergänzungsmittel elevit nicht besser: Die Liste der Nährstoffe ist ähnlich lang wie bei den Konkurrenz-Produkten femibion und Mama plus. Eisen, das nur in ärztlicher Absprache supplementiert werden sollte, ist auch hier wieder zugesetzt. auch das sollte nur in ärztlicher Absprache geschehen. Preislich ähnlich teuer wie femibion.

FemiBaby von tetesept

⛔ Fazit: Nicht empfehlenswert! Unnötiger Nährstoff-Cocktail und erfüllt mit 600 µg Folsäure nicht die Zufuhr-Empfehlung für Schwangere.

Preis: 0,60 € / Tagesdosis

FemiBaby von tetesept reiht sich ebenfalls in die Liste der überflüssigen Nährstoff-Cocktails ein. Ähnlich wie bei Mama plus von Doppelherz ist es zudem mit 600 µg Folsäure für die einen zu hoch und für die anderen zu niedrig dosiert. Auch hier muss man wieder zwei Kapseln täglich einnehmen und es ist Eisen enthalten, das man in der Schwangerschaft nicht eigenständig supplementieren sollte.

Weitere Supplemente

⛔ Fazit: Nicht empfehlenswert! Teurer und unnötiger Nährstoff-Cocktail.

Preis: 0,55-0,77 € / Tagesdosis

Bei anderen bekannten Nahrungsergänzungsmitteln für Schwangere wie zum Beispiel Natalis, BabyForte oder femBona wiederholt sich das bereits Gesagte. Alle Produkte enthalten mehrere Mikronährstoffe, die nicht unbedingt supplementiert werden müssen. FemBona enthält kein Jod. Die Preisspanne reicht von 55 Cent pro Tagesdosis (Natalis), über 66 Cent (BabyForte) bis zu 0,77 Cent (femBona).

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Quellen & Studien zu diesem Artikel

  • 1) Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung: Ernährung und Lebensstil vor und während der Schwangerschaft – Handlungsempfehlungen. 2. Auflage, 2018. Online (zuletzt abgerufen: 12.08.2021)
  • 2) Stiftung Warentest: Nahrungs­ergän­zungs­mittel für Schwangere: Gut versorgt ab 7 Cent. test 06/2019, S. 90-93.
  • 3) Verbraucherzentrale Baden-Württemberg: Nahrungsergänzungsmittel für Schwangere. Marktcheck der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg e. V., Stuttgart 2020. Online (zuletzt abgerufen: 15.08.2021)
  • 4) Keats EC, Haider BA, Tam E, Bhutta ZA. Multiple‐micronutrient supplementation for women during pregnancy. Cochrane Database of Systematic Reviews 2019, Issue 3. Art. No.: CD004905. DOI: 10.1002/14651858.CD004905.pub6
  • 5) Cordero AM, Crider KS, Rogers LM, Cannon MJ, Berry RJ. Optimal serum and red blood cell folate concentrations in women of reproductive age for prevention of neural tube defects: World Health Organization guidelines. MMWR Morb Mortal Wkly Rep. 2015 Apr 24; 64 (15): 421-3. PMID: 25905896; PMCID: 5779552

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